Montag, 2. April 2018

Te Araroa: Das Ende

Hier sind die letzten Fotos aus Neuseeland.
Hokitika:
Akaroa:
Castle Hill:
Kurz vor Arthurs Pass:
Lake Kaniere:
Hawea River:
Franz-Josef Gletscher:
Airbnb in Hawea Flats:
Airbnb in Otahuti:
Milford Sound:
Hollyford Valley:
Lake Wakatipu:
Lake Tekapo:
Rakaia Gorge:
Elephant Rocks:
Bluff:
Wenn es auch nur die letzten Meter vom Parkplatz aus waren: Wir haben in Bluff das Ende vom Te Araroa erwandert.
Tschüss, Neuseeland!

Sonntag, 11. März 2018

Tschüss Te Araroa, hallo Sightseeing!

Inzwischen haben wir uns mit der Realität abgefunden: Das wars erstmal für uns mit dem Te Araroa. Wir schauen zurück auf eine anstrengende, aber schöne Zeit auf diesem Trail. Wir brauchten ein bisschen, um uns mit Kopf und Bauch darauf einzulassen, dass unsere bevorzugte Art, unterwegs zu sein, nicht mehr geht, weil der Nacken immer noch schmerzt und unbedingte Schonung braucht. Jetzt machen wir das bestmögliche aus unserer restlichen Zeit hier in Neuseeland. Und das bedeutet Sightseeing, wie alle Touristen das so tun...
Immerhin haben wir viel Glück mit dem Wetter. Wir wandern von St. Arnaud aus rund um den Lake Rotoiti. Unterwegs treffen wir ein Pärchen aus Australien wieder, das wir von unseren letzten Tagen auf dem Te Araroa kennen, denn ein Teil unserer Wanderung verläuft tatsächlich auf dem Trail. Wir unterhalten uns ausführlich mit ihnen und schenken ihnen sogar noch ein paar Müsliriegel, denn wir brauchen jetzt nicht mehr soviel Trail-Food. Es kommt ein bisschen Wehmut bei uns auf.
Wir schauen sehnsüchtig auf die Berge, die wir durchquert hätten, wenn wir weiter auf dem Te Araroa gegangen wären.
Aber auch ohne Te Araroa lässt es sich in Neuseeland gut aushalten. Wir tauschen das Zelt gegen Airbnb-Unterkünfte, die es hier an vielen Orten zu vergleichbar günstigen Preisen gibt. Die Gastgeber nehmen uns meistens direkt in die Familie auf und versorgen uns mit Tipps für die nahe Umgebung, sodass wir schöne Daywalks machen können, ohne von den Touristenmassen zerquetscht zu werden.
Viele Wege haben wir fast ganz für uns allein. Neuseeland bietet auch abseits von den Great Walks und den anderen üblichen Sehenswürdigkeiten viel schöne Natur...
... und auch immer wieder die Möglichkeit, sich nasse Füße zu holen.
Bei schlechtem Wetter hängen wir einfach ein bisschen in einer Unterkunft ab...
... oder gehen ins Museum, wie hier in Christchurch, wo wir einen gewissen Herrn Amundsen treffen, der gerade von einer größeren Expedition zurück gekommen ist. Er ist offenbar immer der Nase nach weitergegangen, bis er da war, wo er hinwollte...
... und das halten wir auch für ein gutes Konzept und machen uns auf den Weg kreuz und quer durch die Südinsel Neuseelands. Wir schauen uns die Wettervorhersage an und buchen danach die nächste Unterkunft. Und irgendeine schöne Wanderung findet sich ja überall. Wir haben zwar den Flug umgebucht und kommen schon etwas früher zurück als geplant, aber irgendwie haben wir nicht das Gefühl, in Deutschland was zu verpassen, denn hier ist das Wetter wirklich besser (falls wir das noch nicht erwähnt hatten), und Nackenschmerzen sind Nackenschmerzen, egal wo auf der Welt man sich gerade befindet.
Wir verabschieden uns zwischenzeitlich aus den Bergen...
... und fahren zurück ans Meer, wo wir an traumhaften Stränden entlang schlendern. Wir fragen uns, wie es wohl ist, hier zu leben, auf dieser Insel, die so weit weg ist von den Problemen dieser Welt. Hier nach Neuseeland werden nur diejenigen reingelassen, die genug Geld haben oder jung, gesund und arbeitswillig sind. Da nichts davon auf uns zutrifft, hätten wir wohl keine Chance. Aber wir wollen ja gar nicht hierbleiben, egal wie schön es hier ist, irgendwie fühlen wir uns hier doch manchmal sehr fremd, und außerdem soll das Wetter hier im Winter wirklich echt fies regnerisch sein.
Wir versuchen also, die Gedanken an die Zeit nach dem Sabbatjahr mal wieder durch einen entspannten Spaziergang am Strand zu verscheuchen...
... denn es ist doch immer noch am schönsten, gemütlich zu Fuß unterwegs zu sein...
... und außerdem gibt es hier manchmal verwirrende Verkehrsschilder an seltsamen Stellen, und haben wir schon erwähnt, dass hier alle auf der falschen Straßenseite Auto fahren?
Wie auch immer es weiter geht, wir sind gespannt auf unsere letzten Wochen in Neuseeland.

Sonntag, 25. Februar 2018

Te Araroa: Verletzungpause oder Abbruch?

Nach einem unglaublich heftigen Regen wird es am Montag mit dem Wetter deutlich besser und wir entscheiden uns, wieder von Nelson in die Richmond loszuwandern. Unsere holländische Gastgeberin ist so toll und bringt uns sogar bis zum Hacket Track, denn von dort gehts am besten wieder auf den TA. Sie verbindet es mit einem Fruitpicking in Richmond, aber trotzdem ist das so klasse, dass sie uns extra den weiten Weg rausfährt, danke! 2tall hat seit einigen Tagen Nackenschmerzen, aber er will es mit dem schweren Rucksack trotzdem probieren. Wir haben für sieben Tage Essen dabei und das ist wirklich unangenehm und unbequem auf Schultern und Hüften. Auf dem Weg zum Hacket Track sehen wir einige Flüsse, die aufgrund der starken Regenfälle extrem angeschwollen sind, und wir hoffen, dass wir den Fluss hinter der ersten Hütte trotzdem passieren können. Der Weg bis dahin ist an einigen Stellen so ausgewaschen, dass wir Angst haben, dass er ganz wegbricht. Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir die Hütte und machen eine kurze Pause, bis Harry und Mary, ein deutsch-niederländisches Pärchen, zu uns stoßen. Sie waren ebenfalls in Nelson wegen des Unwetters und wir wollen zusammen versuchen, weiterzugehen. Aber der Fluss ist zu hoch und die Strömung zu stark. Vielleicht wäre es irgendwie gegangen, aber ich hätte mir vor Angst in die Hose... naja. Wir gehen also wieder zurück zur Hütte und genießen die Sonne, richten uns ein und begrüßen alle, die da noch so kommen. Und das sind tatsächlich diverse Wanderer. Wir treffen Dan aus Hawaii wieder, das holländische und australische Pärchen von den letzten Tagen, einen Canadier und einen Franzosen, der aber am Nachmittag tatsächlich noch weiter läuft. Später kommt noch ein französisches Paar, was kein Zelt dabei hat und sich etwas wundert, dass die Hütte schon voll ist. Wir räumen sogar noch Sachen zur Seite, sodass sie in der Hütte Platz auf dem Boden haben, aber sie verbringen die Nacht dann im Holzschuppen nebenan.
Am nächsten Morgen ist 2tall leider total zerknirscht und übermüdet, denn er hat die Nacht wegen starker Nackenschmerzen nicht geschlafen. Nach einigen Überlegungen entschließen wir uns, wieder zurück zu gehen und dann nach Nelson zu trampen, um dort einen Arzt aufzusuchen. Wir haben Glück, dass uns ein Waldarbeiter bis Hope zum State Highway mitnimmt. Er berichtet, dass eine Hängebrücke im Wald einfach weggespült wurde, grundsätzlich wären das aber nicht unbedingt die schlimmsten Regenfälle gewesen. Ach so...
Ab Hope sind wir sehr zuversichtlich, dass wir jemanden mit meinem Daumen überzeugen können, aber es hält kein einziges Auto an. Das ist unter diesen Umständen echt doof, denn 2tall hat weiterhin starke Schmerzen und dazu der Asphalt und der Autolärm. Als wir endlich in Richmond an der Bushaltestelle ankommen, sind wir ziemlich ko und fragen bei den super netten Holländern nach, ob sie noch das Zimmer frei haben. Leider nur für eine Nacht, aber das hilft uns ja schon mal. Wir fahren mit dem Bus bis zum Krankenhaus, wo es eine Möglichkeit gibt, einen Arzt zu konsultieren. Eine Nervenwurzelreizung in der HWS mit Ausstrahlung in den Arm und die Finger, das ist die Diagnose, die uns zwingt, neue Pläne zu machen. Der schwere Rucksack darf jetzt erstmal nicht auf die Schultern. Unsere Hosts geben uns noch eine Adresse von einem guten Chiropraktiker, wo 2tall auch am nächsten Tag einen Termin bekommt. Leider müssen wir am nächsten Tag dann noch umziehen, aber wir finden etwas sehr Schönes über Airbnb, wo wir die nächsten 2 Tage bleiben können.
Der Besuch beim Chiropraktiker am nächsten Tag ist ganz positiv und wir planen für die nächsten drei Wochen erstmal mit einem Mietauto unterwegs zu sein und kleinere Tagestouren zu Fuß machen zu können. Villeicht auch mal am Strand ein bißchen rumaalen... Eben Dinge tun, die man als Wanderer sonst vielleicht nicht so macht. Wir haben unsere Kindle App mit diversen Büchern und hoffen, dass wir die Zeit trotzdem genießen können.
Zuerst hat 2tall einen Campground in der Nähe des Cape Campbell an der Nordostküste ausgesucht. Das Fahren auf der linken Seite ist kein Problem, nur die üblichen Verwechslungen bei Blinker und Scheibenwischer passieren noch ab und zu. Bevor wir an die Küste fahren, machen wir noch einen Stop an der Pelorus Bridge und laufen einen kleinen Loop durch den Wald. Ach ja, die Pelorus Bridge, da kommen Erinnerungen hoch, an schöne Wanderzeiten vor den Nackenschmerzen.
Die DOC Campsite am Meer ist zum Wochenende gut besucht, aber wir bekommen ein nettes Plätzchen, wo Zelt und Auto gut stehen können. Das Meer im Blick, der Wind um die Nase und strahlender Sonnenschein. Das beginnt doch alles ganz gut und trotzdem muss ich mich auf diese "neue" Reise erstmal einstellen. Wir haben beide nicht viel Lust, stundenlang im Auto zu sitzen, aber vielleicht sehen wir jetzt noch Landstriche von Neuseeland, die wir vor 4 Jahren nicht gesehen haben, und die uns auch als Wanderer verwehrt geblieben wären. In der Nacht dürfen wir erstmal wieder einen Sternenhimmel bewundern, der uns den Atem nimmt. Das ist wirklich beeindruckend, denn ich muss 2x zur Toilette und genieße quasi doppelt...
Am nächsten Tag wollen wir zum Leuchtturm gehen, 7km eine Strecke am Strand entlang. Es ist ganz schön windig, aber auf dem Hinweg haben wir noch Rückenwind. Am Leuchtturm sehen wir tote und lebendige Seehunde, die sich auf den Felsen sonnen, außerdem gibt es wundervolle, riesige Muscheln. Ein besonderer Ort.
Die zweite Nacht am Cape ist deutlich weniger windig. Es ist dadurch etwas ruhiger, aber die Kondensation zaubert uns einen kleinen See ins Zelt. Neuseeland und die Kondensation im Einwandzelt gehören zusammen. Wir fahren gemütlich nach Blenheim zurück, wo wir uns mit Scones eindecken und auch tanken. Das olle Auto hat leider einen miesen Verbrauch, wie wir feststellen. Naja, immerhin fährt es, wenn auch nur sehr langsam, wenn es mal etwas bergauf geht. Scones sind übrigens extrem leckere Gebäckstücke, die es mit Rosinen oder Datteln gibt. Ist so ein typisch englisches Ding und im Café werden sie warm mit Butter oder Sahne serviert. Wir essen sie am liebsten mit Datteln und trocken. Wir steuern Whites Bay an, wo es auch eine Doc Campsite mit ein paar Wanderwegen geben soll. Komischerweise stehen schon einige Autos auf dem Platz und es gibt sogar Parkwächter. Es ist familiy day vom Lions Club und die Familien strömen nur so heran. Aber wir finden einen Platz im Schatten und sind nach nur 30 Minuten komplett zugeparkt. In drei Stunden soll der Spuk vorbei sein, na hoffentlich. Wir machen uns auf in den Wald und erreichen nach einigen Höhenmetern einen traumhaften Aussichtspunkt. In der Ferne können wir sogar das Cape Campbell erkennen. Wow. Das Wetter ist sehr sonnig und ziemlich heiß, deswegen gehen wir erst am späten Nachmittag zum Strand, um zu baden. Das Wasser ist eisig und deswegen wirds nur ein "quick dip", um uns etwas runter zu kühlen. Die Nacht wird böig, windig und wir wachen deswegen oft auf. Ich habe Sorge, dass das Zelt dem Wind nicht stand hält, aber es passiert nichts und auch die Bäume um uns herum bleiben an Ort und Stelle. Nach dieser unruhigen Nacht geht es zurück nach Nelson, 2tall hat nochmal einen Chiropraktiker Termin und der Zyklon rollt heran. Wir haben eine wunderschöne Unterkunft, inmitten von übervollen Obstbäumen. Hier lässt sich das schlechte Wetter gut aushalten. Mal sehen, was das neue Reiseleben ohne großen Wanderrucksack sonst noch bringt.

Sonntag, 11. Februar 2018

Te Araroa: Havelock - Nelson

Der Queen Charlotte Track war ein super Start für die Südinsel. Besser hätten wir uns nicht einlaufen können. Wir waren ganz angetan, und trotzdem ist die Freude nach ein paar Tagen schwitzen auf eine Dusche und ein weiches Bett dann doch recht groß. In Havelock ist die Auswahl an Unterkünften nicht so üppig, und da wir keine Lust auf ein Backpacker haben, wird es die etwas teurere Motorlodge. Bevor wir aber in unser Etablissement einchecken, gönnen wir uns noch einen leckeren Dattelscone und einen Kaffee. Viele Campervans und sogar einige Radreisende kommen durch den Ort. Richtig voll ist es hier.
Nach einer ausgiebigen Dusche stellen wir unsere Wäsche an und gehen erstmal Mittagessen. Es gibt im ortsansässigen Takeaway Süßkartoffelfritten, Veggieburger, Fisch und Chips. Sehr lecker, aber komischerweise bekommen wir die Portion gar nicht auf. Was ist mit unserem Hikerhunger passiert? Die letzten Tage waren wohl doch weniger anstrengend als sich das so angefühlt hat... oder die Fritten sind einfach zu fettig? Mit vollem Bauch gehts in den kleinen Supermarkt, um für die nächsten Tage in den Richmond Ranges einzukaufen. Der Laden ist zwar klein, hat aber alles, was wir so brauchen. Außerdem ist es ja so viel besser, satt einkaufen zu gehen. Noch ein paar Sachen fürs Abendbrot, dann sind wir schon fertig und können den Rest des Tages regenerieren. Es ist wunderbar ruhig in der Unterkunft und wir sind froh, dass wir ein paar Dollar mehr investiert haben. Das scheint der Preis für Ungestörtheit und Ruhe zu sein.
Für den nächsten Morgen hoffen wir auf etwas Glück beim Hitchhiken, denn wir möchten von der Pelorus Brücke starten, weil dann immer noch 20 km bis zur nächsten Hut zu gehen sind. Im Gegensatz zu gestern Nachmittag ist heute im Ort nichts los. Könnte sein, dass es am Feiertag, dem Waitangi Day liegt. Aber keine fünf Minuten später kommt ein vollgeladenes Auto vorbei und drin sitzt die Neuseeländerin, die wir schon auf dem Queen-Charlotte-Track kennengelernt hatten. Ihr Mann wandert auf dem TA, sie hat das Begleitfahrzeug und diverse Lebensmittel für ihn an Bord. Sie räumt Platz für uns frei und wir sind dankbar für den Ride zur Pelorus Bridge. Von dort gehts erstmal eine ganze Zeit auf Asphalt, dann wirds aber irgendwann schottrig und die Gegend immer schöner. Ein paar Mountainbiker und Motorräder sehen wir und sogar drei Wanderer kommen uns entgegen. Einer sogar barfuß, auf Schotterstraße bestimmt kein Vergnügen. Bis zu den Emerald Pools wird der Trail richtig schön und wir hoffen sehr, dass es so weitergeht. An den Pools sind einige Touristen und auch Einheimische, die hier baden. Wir gehen aber weiter, denn wir müssen bis zu unserer Hütte noch einiges laufen. Es geht bergauf und gibt viele Wurzeln, der Trail ist fast wie der AT in Maine. Das Wetter ist spitze und wir können es kaum glauben, wie toll der TA hier sein kann. Die Hütte ist nach drei Stunden dann endlich zu sehen und es sind schon Leute dort, denn diverse Klamotten liegen auf der Wiese ausgebreitet. Das müssen die Holländer sein, die Waschtag gemacht haben. Wir finden einen guten Zeltplatz, denn die Hütte sieht etwas runter und verdreckt aus. Außerdem sind die Sandflies extrem aggressiv hier. Ich versuche mich am Fluss ein wenig zu waschen, aber auch hier werde ich sofort angefallen und muss mich umgehend wieder anziehen. Ganz ins Wasser einzutauchen, um vor den Biestern zu flüchten, schaffe ich nicht. Das Wasser ist nämlich echt frisch. Wie gut, dass ich in Havelock noch "Good bye Sandfly" gekauft habe. Das Teebaum-Manuka-Lavendel-Mandel-Öl riecht super für uns, die Sandflies mögen es nicht so gerne, aber irgendwie erwischen manche doch immer noch ein wenig unbehandelte Haut. Das gute Öl kann gegen DEET nicht in Konkurrenz gehen, aber es kann definitiv dagegen "anstinken", denn es riecht angenehm und fühlt sich sogar auf unserer trockenen Haut gut an. Die Sandflies sind fiese Biester, und leider werden die Stiche weiterhin bei mir zu unglaublichen Beulen. Aber auch gegen den Juckreiz soll das Öl etwas helfen, na dann.
Wir gehen früh ins Zelt und lesen noch lange. Um uns herum summt und brummt es mächtig. Nochmal raus zu gehen wäre wahrscheinlich lebensbedrohlich. Das Wetter ist auch am nächsten Morgen noch super und wir sind die ersten, die auf den Trail starten. Die Holländer und auch das australische Pärchen, was spät am Nachmittag noch kam, schlafen ein wenig aus. Wir kommen um 8.40 Uhr los und schon nach kurzer Zeit gibts die erste, sehr wackelige Hängebrücke über den Fluss. Diesmal nur für eine Person und das ist auch gut so, denn das Ding wirkt schon ein wenig in die Jahre gekommen. Die Farbe des Flusses unter uns ist wunderschön türkis und glasklar. Bis zur nächsten Hütte ist es nicht zu weit und wir machen dort eine ausgiebige Mittagspause, um Kraft zu schöpfen für den nächsten heftigen Anstieg. Nur drei Stunden und ca. 650 Höhenmeter später, kommen wir an der großen Rocks Hut an, wo es tatsächlich eine richtige Toilette (flush toilet) gibt. Auf dem Regal steht sogar eine Flasche von unserem Brennstoff, so dass wir auffüllen können und unseren etwas knappen Bestand aufbessern können. Dann ist sogar ein Nachmittagskaffee möglich. Den Kaffee "gönne" ich mir meistens in den teureren Hotels, ist zwar nur Instantpulver, aber ab und zu schmeckt das neben dem Tee auch ganz gut und ich kann mich vielleicht etwas daran gewöhnen, den Kaffee auch ohne Milch zu genießen. Später kommt noch das holländische Paar in die Hütte. Wir entscheiden uns diesmal alle, indoor zu übernachten. Die Zeltplätze um die Hütte sind nicht so schön und außerdem wird es abends empfindlich kalt, sogar in der Hütte kühlt es ganz schön runter, als erstmal die Sonne weg ist. Toll, wenn man in so einer Hütte nur zu viert ist und es wunderbar ruhig ist. Das hört sich mit 16 Leuten wahrscheinlich ganz anders an. Am Morgen kommt ein junger Deutscher vorbei, der bis Mitte März die gesamte Südinsel gehen will, weil dies sein Geburtstag ist, na viel Spaß. Außerdem kommt Lost Kiwi vorbei, den wir irgendwo mit dem Bus oder Auto überholt haben. Er hat einen neuen Rucksack und neue Schuhe und ist unfassbar schnell unterwegs. Er will trotz der Sturmwarnung weitergehen, und vor dem großen Regen noch den Fluss versuchen zu überqueren. Wir überlegen hin und her und entscheiden uns dann, nach Nelson abzusteigen, wo wir das Wetter abwarten wollen. Wir finden ein gemütliches Zimmer bei Airbnb bei einer holländischen Familie, die super nett, unkompliziert und sehr hilfsbereit sind. Wir können hier zwar nicht kochen, aber das nehmen wir in Kauf, denn es ist wirklich schön und sogar bezahlbar. In Nelson versuchen wir am nächsten Tag, meine Wanderstöcke reparieren zu lassen, aber in vier Outdoorläden hat nur einer eine Leki Reparaturkiste und das Teil, was kaputt ist, finden wir darin nicht... oh Mann. Das ist irgendwie enttäuschend. Auch neue Schuheinlagen sind schwer zu finden, aber im letzten Laden gibt es dann glücklicherweise neue Merinosocken, Gerichte und sogar Schuheinlagen für mich, juchuh!
Wir kaufen noch etwas fürs Abendessen und machen uns wieder auf zu unserer Unterkunft. Wir sind von dem "Konsumgedöns" ganz schön genervt und wollen das am liebsten alles vermeiden, aber leider gehts manchmal einfach nicht anders. Wir hoffen, nach dem großen Regen am Montag wieder loswandern zu können. Mal sehen, wie sich dieser Tropensturm auf der Südinsel auswirkt.